Re: Überlebenskünstler


Bisherige Antworten | Antwort senden | Pilze Pilze Forum | FAQ

Gesendet von Boris am 11. November 1999 um 18:28 Uhr:

Dies ist eine Antwort auf: Re: Mein groesster halber Champignon 8-) ist das wirklich ein Baumpartner ? (125 KB Bilder) gesendet von MUFTI am 11. November 1999 um 17:57 Uhr:

: - Die Trennung Mykorrhiza/Saprophyt ist
: nicht immer klar, es gibt auch Pilze
: die beides koennen.

Du hast recht und unrecht gleichermassen. Es gibt Saproparasiten, die auch Mykorrhiza mit Pflanzen eingehen können, z.B. der Überlebenskünstler Hallimasch. Aber ich denke Pilze haben meistens einen Schwerpunkt in ihrer Lebensweise, und der scheint bei Champignons ganz klar auf der saprophytischen Seite zu liegen. Die Vorliebe für Wald kann auch durch eine Vorliebe für verrottendes Fallaub vorgetäuscht sein. So galt der violette Ritterling lange als Mykorrhizapilz, bis man rausfand dass er sich auf Laubbeeten ohne Wurzelkontakt auch wunderbar züchten ließ.

Champignons haben mitunter sehr spezielle Substratansprüche. So wächst der Salzwiesenchampignon (Agaricus bernardii) immer auf Wiesen mit erhöhtem Salzanteil. Im Inland ist er gelegentlich an Autobahnrändern zu finden.

Noch ein Beispiel für vorgetäuschte Mykorrhiza ist die Frühjahrslorchel, die "in Kiefernwäldern wächst". Dieser Pilz hat, genau wie Morchella conica einfach eine Vorliebe für verrottende Kiefernborke (man verzeihe mir die "gefühlsbetonte" Ausdrucksweise :-) . Möglicherweise ist er auch möglich, Mykorrhiza mit den Wurzeln einzugehen, aber die gewaltigsten Lorcheln finde ich regelmäßig auf Holzlagerplätzen. Einmal fand ich eine Gruppe von 20 Stück um einen Hügel aus Borke kreisförmig verteilt. Ein andernmal fünf Lorcheln auf(!) liegenden Kiefernstämmen. Die Pilze sind also in keinster Weise auf die Mykorrhiza angewiesen, wenn sie die Nährstoffe bereits aufgeschlossen und konzentriert vorfinden können sie auch saprophytisch wunderbar wachsen. Bei den Orchideen ists übrigens genauso, allen Gerüchten zum Trotz sind sie nicht auf die Mykorrhiza angewiesen, sondern schätzen mitunter auch einen mineralischen Dünger oder Nährboden.

Der Vorteil von spezialisierten Mykorrhizapilzen und -Pflanzen ist dass sie auch dort wachsen können, wo es kaum Nährstoffe gibt. Sie "brauchen" die armen Böden nicht, sondern können sie "ertragen" und sind auf solchen Standorten der Konkurrenz im Vorteil!

Gruß, Boris


Bisherige Antworten:



Antwort senden

Name:
E-Mail:

Thema:

Kommentar:

Bisherige Antworten | Antwort senden | Pilze Pilze Forum | FAQ