Gesendet von Andreas am 05. Dezember 1999 um 17:36 Uhr:
Dies ist eine Antwort auf: Splitter vs. Lumper 1032:983 gesendet von Boris am 01. Dezember 1999 um 09:25 Uhr:
: : Wie die einhellige Meinung lautet, so auch meine: Blutroter Röhrling (Xerocomus rubellus).
: : Zumindest im weiteren Sinn, denn in jüngerer Zeit sind noch weitere rothütige Filzröhrlinge bekannt geworden:
[...]
: : Naja, wie auch immer. Jedenfalls scheint's mehrere rothütige Filzröhrlingsarten (-varietäten, -sippen, -formen oder was auch immer) zu geben, die sich auch ökologisch trennen lassen.
: Tss, Tss, Tss. Andreas, solch exzessives "Splitten" hätte ich dir allerdings nicht zugetraut, nachdem du ja offen gesagt hast daß du mit Krieglsteiner arbeitest, hätte ich dich eher zu den "Lumpern" gestellt... ;-)
Ich glaube, da ist was falsch verstanden worden: Ich habe diese "Arten" ja nicht aufgestellt. Ich habe nicht mal gesagt, dass ich sie für berechtigt halte. Ich habe lediglich hinweisen wollen, dass es in der LITERATUR noch mehr gibt. Ob es in der NATUR auch so viel gibt, da kann man natürlich immer trefflich streiten.
Übrigens ist Krieglsteiner durchaus bereit, anderer Leute Ansicht anzuerkennen, sofern er sie in sich schlüssig findet, auch wenn es nicht seine Meinung ist. Für die Ba-Wü-Flora war klar, dass jeder seine eigene Artkonzeption hat, lediglich der "äußere Rahmen" soll natürlich einheitlich sein.
: Der Rotfussröhrling und seine Verwandten zählen zu den variabelsten Pilzen, die ich kenne. Manche Autoren bezeichnen ja sogar X. rubellus lediglich als eine Farbmutante bei der das braune Pigment der Oberhaut fehlt (Siehe Boletus junquileus). Auch das ökologische Trennen klappt hier nicht, die abgebildeten Pilze wuchsen mit gewöhnlichen Rotfüßen zusammen, unterschieden sich aber deutlich von diesen.
Würde ich durchaus akzeptieren, dass es rothütige Formen vom Rotfuss-Röhrling gibt. Aber muss das bedeuten, dass ALLE rothütigen Filzröhrlinge zwangsläufig nur rote Formen vom Rotfuss sind?
: Und was X. pruinatus betrifft, da gibt es wohl mehr als genug Mykologen die sich mit Händen und Füßen wehren, so etwas als eigene Art anzuerkennen. Ich nehme an, die Unterschiede in der Sporenform wurden mit dem Elektronenmikroskop gemacht? ;-)
Ja, das stimmt natürlich, wenn auch Engel behauptet, mit einem guten Lichtmikroskop kann mann die Streifung auch erkennen. Dann habe ich offensichtlich kein gutes ...
Aber das Haupttrennmerkmal zwischen dem "normalen" Rotfuss und dem "Herbstrotfuss" ist eigentlich die Hutdeckschicht, die beim Herbstrotfuß aus eher keuligen, fast hymeniformen Zellen besteht, die NICHT ODER KAUM MERKLICH INKRUSTIERT sind. Beim chrysenteron dagegen sind die Zellen sehr stark inkrustiert, richtig schollenartig mit Pigment besetzt. Dazuhin noch die Sporenstreifung. Also für mich sind das schon Argumente, die nicht so einfach wegzuwischen sind. Zumal ich bisher noch kaum einmal Probleme hatte die beiden Arten (für mich sind's Arten) schon makroskopisch zu erkennen. Wenn sie nicht überaltert sind, wohlgemerkt. Aber alte Schleierlinge bestimmt auch keiner mehr und jeder akzeptiert's dass das eben nicht geht ....
: Durchaus wahrscheinlich, daß der sogenannte "Bereifte Röhrling" lediglich eine Kaltwetterform ist, bei der der Pilz insgesamt langsamer wächst, die Huthaut dabei nicht aufreisst. Ähnliches konnte ich auch schon beim Sommersteinpilz feststellen.
Es geht nicht um's Aufreissen der Huthaut oder nicht, die Struktur an sich ist anders (s.o.).
Mein Bekannter Adam, ein professioneller Biologe und Pilzfreund meint auch, daß man Gebilden, die aus einem konzentrierten Fadengeflecht erwachsen, ruhig etwas mehr Variabilität zugestehen kann... :-)
: (Morcheln: Etwa 40 Arten nach Breitenbach, exakt 3 Arten nach Krieglsteiner!)
[...]
: Schöne Grüße, Boris
Grüsse an alle,
Andreas