Saisonale Schwankungen


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Gesendet von Boris am 25. Oktober 1999 um 15:05 Uhr:

Dies ist eine Antwort auf: Re: Schopftintlinge im Dutzend billiger gesendet von Thomas Pruß am 25. Oktober 1999 um 14:43 Uhr:

: Tach zusammen,
: Leonies Meldung über die Kahlen Kremplinge gibt mir zu denken: Ich habe überall dort, wo im letzten Jahr Pilze in Massen auftraten – egal ob Maronen, Totentrompeten, Steinis, Täublinge… – in diesem Jahr massenhaft K. K. gefunden.
: Ich spekulier jetzt mal ein bißchen, und Ihr könnt mir sagen, ob was an den Spekulationen dran ist: Die anderen Pilzarten haben im letzten Jahr den für sie zusagenden Nährstoffgehalt im Boden erschöpft. Der K. K. ist demnach so eine Art „Ruderalpilz“, also ein Pionierpilz, der – wie z. B. bei Pflanzen die Birken – auf ganz nährstoffarmen Böden wachsen kann. Nährstoffarm ist bezogen auf die Bedürfnisse anderer Pilze.
: Andere Möglichkeit: Der K. K. ist aufgrund irgendwelcher Bedingungen in der Lage, andere Pilze von ihren Standorten zu verdrängen.
: Das sind Fragen für Pilzökologen.

Ich denke der banale Grund ist einfach das Wetter. Wie Dähncke im Feldversuch schon mehrfach feststellte, kommen Pilzfruchtkörper dann und genau dann wenn ihre Zusagenden Wetterbedingungen erfüllt sind, manche mit etwas größerer Toleranz, andere wie Morcheln oder wärmeliebende Boleten nur in einem sehr engen zeitlich und wetterbedingtem "Fenster".

Dieses Jahr haben die wärmeliebenden Spätsommerpilze passen müssen. Manche, wie der Parasol, waren fähig die Fruktifikation zu verzögern und erschienen später als sonst, andere erschienen gar nicht. Die Gewinner in diesem Jahr waren die Pilze, die kühlere Temperaturen bei stärkeren Niederschlägen bevorzugten. Irgendeine Art hat in jedem Jahr Massenvorkommen, z.B. dieses Jahr die Krause Glucke.

Nun, da das Jahr fortgeschritten ist, ist die Artenvielfalt noch weiter geschrumpft. Ich erinnere mich an Sommer in denen Kahle Kremplinge und Täublinge auf meinem Campus in Massen auftraten. Nun, da bereits Nachtfröste die Pilzflora heimsuchen, ist der Kahle Krempling den eher wärmeliebenden Täublingen im Vorteil. Die einzige Ausnahme scheint der Ockertäubling zu sein, der auch bei kühlem Wetter noch in Massen rumstehn kann.

Aber man kann beruhigt sein, das scheinbare "Verdrängen" bezieht sich i.a. nur auf ein Ausbleiben der Fruchtkörper. Das Myzel bleibt erhalten, bei Parasiten und Mykorrhizapilzen sowieso und bei saprophytisch wachsenden Arten in der Regel auch, wenn sich die Standortbedingungen nicht radikal ändern. Im nächstem Jahr wenn die Karten neu verteilt werden, kann alles schon ganz anders aussehen! Eine Schwemme von Flockenstieligen Hexenpilzen? Massen von Nelkenschwindlingen? Morcheln in Hülle und Fülle oder gar keine? Ein kaltes Jahr mit Austernpilzen im Oktober? Oder eines der seltenen warmfeuchten Pilzsommer in denen sogar wärmeliebende Arten wie Satanspilz und Kaiserling an Stellen auftauchen, an denen keiner mit ihnen rechnen würde???

Lassen wir uns überraschen...

Ein pilzreiches Jahr 2000 wünscht euch

Euer Boris




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