Gesendet von Boris am 02. Dezember 1999 um 10:31 Uhr:
Dies ist eine Antwort auf: Re: Notwehr im Wald gesendet von MUFTI am 01. Dezember 1999 um 20:39 Uhr:
Irgendwie entwickelt sich diese Diskussion in eine spezielle Richtung, hab ich den Eindruck. Selbst die pazifistische Birgit gab zu, daß Waffen in Einzelfällen wie der Abwehr von Tieren nützlich sein können. Bei Mufti hab ich hingegen den Eindruck, daß er zwar Hunde liebt, aber selbst am Einsatz einer Gummiflitsche noch was negatives findet, da er offenbar Waffen grundsätzlich nicht mag.
Ich persönlich bin auf der anderen Seite kein Freund von Waffen, mag Hunde jedoch noch viel weniger, jedenfalls dann wenn sie nicht als Haustiere sondern als Waffenersatz oder Machtsymbol für Möchtegern-Machos gehalten werden. Und genau dies ist leider die gängigste Verwendung heutzutage, der Rat zum Erwerb einer nicht-destruktiven Waffe von meiner Seite ist daher reine Notwendigkeit.
Sachgemäßen Gebrauch vorausgesetzt können mechanische Waffen kontrolliert werden, Hunde sind jedoch Tiere mit Instinkten und irrationalem Verhalten, das auch durch eine entsprechende Ausbildung nur kaschiert werden kann, aber in manchen Situationen wieder ausbricht. Eine läufige Hündin kann einen Hund verwirren, ein anderer Hund einen Kampf provozieren. Wenn man sich dann als Halter einmischt, riskiert man von beiden angegriffen zu werden!
Noch schlimmer ist der latente Jagdtrieb der Tiere. Ein Bekannter von mir sah einmal wie ein ansonsten friedlicher Hund plötzlich in ein Gehege sprang und ein dort eingesperrtes Reh zerriß. Da brachen plötzlich Urinstinke aus. Auch ein kleines Kind im Wald oder auch ein arbeitender Pilzsucher im Gebüsch können solche Fehlverhalten auslösen und je mehr von den Viechern unterwegs sind, desto größer ist die Chance daß irgendwann mal was passiert. Tiere sind Tiere und keine Waffen, und wenn mein imaginäres Kind von einem stromernden Köter irgendeines Penners getötet würde, der in 30 Metern Entfernung mit der Leine wedelt und ruft "Der tut doch gar nichts", würde ich ihn wohl umbringen und seinen Flohsack gleich mit.
Ich weiß nicht, ob der Besitz und die Anwendung einer betäubenden Waffe in diesem Fall nicht ein geringeres Risiko ist, als das oben beschriebene Szenario in dem zwei Leben vernichtet und eines ruiniert würde...
So, nachdem ich jetzt meinen Standpunkt klargemacht habe, nun zu Muftis Argumenten:
: Naja. Nicht auf alle Hunde sind als "Schutzhund"
: geeignet. Die "Schutzhundestaffeln" der Polizei
: benutzen wo vorwiegend deutsche Schaeferhunde.
: Ausserdem ich habe auch nicht umsonst "entsprechend
: erzogenen Wauwau" geschrieben.
Auch Schäferhunde sind nicht ungefährlich. Birgit ist schon einmal von einem Schäferhund verfolgt worden, ich selbst schon zweimal. In meiner Stadt sind einmal zwei Hunde aus einem Zwinger ausgebrochen, frei durch die Stadt gestreift und haben ein Kind zerrissen. Waren beides Schäferhunde.
Selbst der ansonsten eher behäbige, kinderfreundliche Neufundländer kann ausflippen. Eine Halterin erzählte mir einmal, wie ein Pilzsucher ihr einen besonders großen Steinpilz vor die Nase hielt und damit angeben wollte. Der Hund wertete diese Bewegung bereits als Angriff und ging auf den Mann los. Oder jene Fälle in denen Schäferhunde Leute mit einem Gipsarm angriffen, weil dieser sie so an den Handschuh des Ausbilders erinnerte. Ich würde mein Leben nur sehr ungern den Frühlingsgefühlen eines kleinen Hundegehirns anvertrauen...
: Also ich weiss nicht, wie gross Du bist, aber
: meine Armlaenge bis zur Faustspitze ist 70cm,
: und ein schwungloser Ausfallschritt schafft
: locker 140 cm (macht 2 Meter und 10 cm).
: Ein geuebter Boxer schafft ansatzlos ! und mit
: etwas Schwung erheblich mehr. Eine Distanz
: von 2 Meter hat er blitzartig ueberbrueckt.
: Ausserdem ist ein Bein noch laenger (auch
: wenn man nicht davon ausgehen kann, dass
: jeder damit vernuenftig umgehen kann).
Danach ist der Abstand aber dahin, mit Angriffen durch Teile deines Körpers kannst du keinen Gegner auf Distanz halten. Nach dem ersten Angriff ist dein Feind in deinem Aktionsradius, also bete das dein erster Ausfall ihn bereits kampfunfähig gemacht hat. Bei Hunden ist der einzige schwache Punkt die Nase, in asiatischen Kampfsportarten lernt man dann auch den ersten Tritt oder Schlag dorthin zu plazieren.
Die empfindliche Nase ist auch der Grund, warum Gaswaffen gegen Hunde so effizient eingesetzt werden können. Deinen Schutzstaffeln mit Schäferhunden kann ich Einsatzteams mit Gaswaffen entgegenhalten, die erfolgreich benutzt werden um beispielsweise gegen Zuhälter mitsamt ihren überzüchteten Mißgeburten vorzugehen. Selbst ein Mastiff liegt dann erst mal piensend am Boden...
: Und selbst wenn Du noch etwas weiter weg bist,
: kannst Du dir da keine Schrecksekunde oder
: sogar ein Zoegern erlauben...
: Und nicht jeder kriegt es dann so schnell fertig,
: in der Situation dann auch einfach abzudruecken...
: Ich hoechst wahrscheinlich nicht, aber deshalb
: wuerde ich nie so ein Ding mit mir rumtragen 8-)
Bei Angriffen von Tieren hätte ich wohl keine Skrupel. Wie Thomas sagte hätte ich bei der Abwehr bissigen Viehzeugs sogar das Recht auf meiner Seite...
: Wenn Du nicht gerade ein Experte der fernoestlichen
: Kampfkunst AIKIDO bist: Was ist an einem Stock bitte
: "nicht destruktiv" ?
Hier hast du mich wohl mißverstanden, Stöcke sind für mich sehr wohl destruktive Waffen die bleibende Verletzungen im Kampf hervorrufen. Gas, Elektrogeräte und Betäubungsgewehre haben in erster Linie die Intention, den Gegner kampfunfähig zu machen.
: Auch solche Elektroschocker gibts hier zu kaufen.
: In den USA gibt es sogar welche, die einen Draht/Harpune
: auf das Opfer abschiessen, damit es mit
: dem Tod durch Herzversagen auch richtig klappt...
Ist typisch amerikanisches Machogehabe und überflüssig. Im Regelfall verlieren Mensch und Tier schon nach der ersten kurzen Berührung mit einem konventionellen Gerät alle Lust zu einem zweiten Angriff...
: Ohne Anwalt zu sein: Ich gehe davon aus, dass ein
: Stockdegen eine so verbotene Waffe ist,
: dass man sie nicht mal mit Waffenschein
: in der Offentlichkeit legal tragen darf.
: Ich waere mir nicht mal sicher, ob man
: solche verborgenen Waffen wie Stockdegen
: und Schiesskugelschreiber ueberhaupt legal
: in einer Waffensammlung besitzen darf...
Tja, ein verborgenes Messer oder Degen zur Selbstverteidigung ist nicht legal? Ein in aller Öffentlichkeit mitgeführter Kampfhund mit einem Gebiß das Knochen zum Bersten bringen kann ist legal?
Eine Gaswaffe die jemand im Regelfall nur kampfunfähig macht, ist gefährlich? Ein Hund im Blutrausch der erst von seinem Opfer abläßt wenn es tot ist, ist es nicht?
Mufti, deine Argumentation ist diesmal ziemlich vogonisch...
Auch auf die Gefahr hin, mich bei einigen Hundehaltern unbeliebt zu machen, die gegenwärtige juristische Situation ist dadurch bedingt daß die Hundehalter in Deutschland den Waffenträgern weit in der Überzahl sind. Wenn die Jägerlobby sich hier für eine Gesetzesänderung einsetzen würde, könnte das schon anders aussehen. Aber da diese Knaben zu 99% selbst Hundehalter sind, halten sie sich aus der Diskussion fein raus und gehen lieber gegen Pilzsammler und Fahrradfahrer vor...
Otto Normalverbraucher hingegen bleibt nichts anderes übrig als zerrissen zu werden...
Boris
P.S. Schon mal in stadtnahen Wäldern Pilze gesucht? Macht richtig Spaß wenn überall die Häufchen liegen!
P.P.S. Wir hatten übrigens zehn Jahre selbst einen Hund. War ein ziemlich verhaltensgestörtes Vieh, dessen Erziehungsfehler im Welpenalter wir sein ganzes Leben nicht mehr korrigieren konnten...