Pilze, die keiner haben will...


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Gesendet von Boris am 06. Dezember 1999 um 09:38 Uhr:

Dies ist eine Antwort auf: Re: Splitter vs. Lumper 1032:983 gesendet von Andreas am 05. Dezember 1999 um 17:36 Uhr:

: Aber das Haupttrennmerkmal zwischen dem "normalen" Rotfuss und dem "Herbstrotfuss" ist eigentlich die Hutdeckschicht, die beim Herbstrotfuß aus eher keuligen, fast hymeniformen Zellen besteht, die NICHT ODER KAUM MERKLICH INKRUSTIERT sind. Beim chrysenteron dagegen sind die Zellen sehr stark inkrustiert, richtig schollenartig mit Pigment besetzt. Dazuhin noch die Sporenstreifung. Also für mich sind das schon Argumente, die nicht so einfach wegzuwischen sind. Zumal ich bisher noch kaum einmal Probleme hatte die beiden Arten (für mich sind's Arten) schon makroskopisch zu erkennen. Wenn sie nicht überaltert sind, wohlgemerkt. Aber alte Schleierlinge bestimmt auch keiner mehr und jeder akzeptiert's dass das eben nicht geht ....

Muß ich wohl vorerst akzeptieren, aber ich laß mich gern überraschen wie sich diese Arten im Dauerbertrieb in den nächsten Jahren bewähren. Bei so nah verwandten Artenpaaren oder auch dem Hallimasch-Komplex würde es mich nicht wundern, wenn irgendwann eine hochseltene Zwischenform auftaucht und die Arten wieder zusammengelegt werden müssen, wie beispielsweise Hygrocybe nigrescens und Hygrocybe conica.

Meine etwas organische Betrachtungsweise zeigt mir, daß es zu zwei Arten A und B fast immer eine seltene Übergangsform C gibt, die die Mykologen zwingt ihre Artbegriffe zu revidieren. Nicht nur zwischen Arten, sondern manchmal zwischen ganzen Gattungen oder Familien tauchen immer wieder solche "Grenzgänger" auf. Genannt seien hier u.a. Leucoagaricus, Leucocortinarius sowie der bekannte "Blätterröhrling" Paxillus/Phylloporus rhodoxanthus.

Mein Freund Adam hat vor kurzem eine Arbeit über Chamonixia caespitosa veröffentlicht, einen sehr seltenen Pilz der laut Kriegelsteiner-Atlas bis jetzt nur 14 Fundstellen in Deutschland hat, allesamt in hochgelegenen Regionen. Äußerlich erinnert der Pilz an einen kleinen Bovist, blaut jedoch deutlich kornblumenfarben. Man sieht also, selbst zwischen scheinbar so fern verwandten Arten wie dem Kornblumenröhrling und den Bauchpilzen gibt es einen Übergang, und es würde mich nicht wundern wenn in den Tropen oder entlegenen sibirischen Nadelwäldern noch ein paar Überraschungen auf die "Splitter" warten...

Ich lass mich also gern überraschen und verfolge die Entwicklung der nächsten Jahre mit. Auch der (Elekronen-)Mikroskopkult scheint in der Praxis nicht immer so stabile Merkmale zu bringen, wie man gerne hätte...

Gruß, Boris




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