SUBJECT>Re: Gedanken zu "Schadet Pilzesammeln?" POSTER>Leonie EMAIL>StaySLady@aol.com DATE>958512133 EMAILNOTICES>no IP_ADDRESS>spider-wj074.proxy.aol.com PREVIOUS>5642 NEXT> 5656 5661 IMAGE> LINKNAME> LINKURL>

Ganz seltene Pilzarten würden bei mir schon aus Respekt vor der "Kreatur" nicht im Kochtopf landen. Ich sammel auch nie für die Kühltruhe und nehme nie mehr als ich brauche. Ich gebe zu bei einem Kaiserling z. Bsp. würde ich hin und her überlegen. Und meine Rußporlinge "Boletopsis leucomensis" sind die ultimativen Speisepilze überhaupt. Aber viele eigentlich geschütze Arten sind ja gar nicht so selten. Z. Bsp Steinpilze oder Morcheln. Oder sie sind in manchen Gegenden häufig und nicht überall selten.

Trotzdem glaube ich, das zumindest normales Sammeln den Pilzen kaum schadet.
Meine Argumente:
Trotz offensichtlichen jahrelangen härtesten Raubbaus kriegen wir jedes Jahr wieder Tonnenweise polnische Pfifferlinge. Die müßten schon längst ausgestorben oder zu mindesten so selten wie bei uns sein! Sind sie aber offensichtlich nicht!

Auch ungenießbar und giftige Arten werden immer seltener!

Die wirklich seltenen Arten sind auch bei den 95% der Pilzsammler (Ich bin auch immer überrascht wieviele Leute z. Bsp. nur Röhrlinge sammeln, oder nur Pfifferling, Champignion, Marone und Steinpilz - gut, die grüngefelderten Täublinge sind dann für mich!) kaum bekannt und werden nicht gesammelt! "Iehh, guck mal den Fliegenpilz mit so gelben Lamellen in unseren wärmebegünstigten Eichenwald! Laß sowas bloß stehen!"
"Son stinkender Steinpilz mit roten Poren! Finger weg!" "Son klebriger, sandiger grüner Pilz unter Kiefern im November - ist sicher der grüne Knollenblätterpilz!"

Also meine Meinung, Respekt vor der Natur ist wichtig, aber geschicktes Sammeln ist ein wunderschöne Sache. Ich habe auch mal Pilze gezüchtet, wie langweilig. Dann kaufe sich sie besser im Supermarkt. Aber unsere Wälder und Fluren um Wandel der Jahreszeiten mit einem Jagtinstinkt zu durchstreifen, ist ein einmaliges Erlebnis, daß auch eine Kochtopf geprägten Person wie mir die Natur (nicht nur Pilze, hätte nie auch nur geträumt davon mich mit Zeigerpflanzen zu beschäftigen) näherbringt. Die letzten Frostschnecklinge im jungen Kiefernforst im Dezember. Das Weidenumsäumte Bachbett im Januar nach Samtfußrüblingen zu durchstöbern. Fichtenzapfenrüblinge mit dem Scherchen mühsam im März ernten. Morelmania im April. Die Weißdorngebüsche im Mai nach Schildrötlingen abzusuchen. Im Juni den ersten Flocki und weiße Pfiffis im sauren Buchenwald. Im Juli krause Glucken und der Geruch nach Kiefernharz. Traurige Pilzflaute im August :'-(. Fichtreizkerschwämme in meiner Bratpfanne im September. Der Pilzorgasmus im Oktober! Um November Nebel, Herbstlaub und Nieselregen und jede Menge Trompetenpfifferlinge (glaube auch eine geschützte Art, die sollten mal ins Steinbachtal bei Hann. Münden schauen. Soviele kann man gar nicht sammeln!)

Wenn ich mir die Forumlinge anschaue sind da keine Naturfrevler.

Aber Schluß mit einseitiger Forstwirtschaft. Stickstoffdüngung (ich freue mich ja auch über Schopftintlinge im Wald, aber Grünlinge wären mir lieber!) wie verückt und Biotopzerstörungen.

Ich habe immer in einem ehemaligen Militärgelände gesucht. Es war das Paradies. Jetzt ist es Staatsforstgebiet! Zertörungen ohne Ende!!! Nur noch eine Kraterlandschaft. Die Panzer waren harmlos!

Laßt Euch das Pilzesammeln nicht madig machen!!! Wir sind nicht die Naturvernichter. Das macht schon diese Diskusion deutlich!

Gruß!

Leonie