SUBJECT>Re: Fleischfressende Pilze POSTER>Christoph Hahn EMAIL>ch.j.hahn@t-online.de DATE>986847570 EMAILNOTICES>no IP_ADDRESS>p3E991A20.dip.t-dialin.net PREVIOUS>14245 NEXT> 14263 14271 14276 14290 IMAGE> LINKNAME> LINKURL>
: Servus,
: wie kann man sich so einen Fangvorgang vorstellen? Bewegt der Pilz Fangorgane
: zum Opfer, oder wartet der Pilz passiv, bis das Opfer z.B. klebenbleibt um
: sie dann zu lysieren? Schleimpilze "überrennen" ja ihre Opfer,
: die höheren, um die es in diesem Artikel geht, können das wohl kaum.
: Grüße,
: tom
Servus Tom,
es gibt eine Reihe ausgeklügelter Fangapparate bei nematodenfangenden Pilzen. Häufig sind einfache Klebfallen, d. h. die Hyphen werden an bestimmten Stellen klebrig, Nematoden kleben fest, der Pilz kann den Wurm mit einer auswachsenden Hyphe penetrieren und verdauen (passive Fallen).
Ausgeklügelter sind Schlingenfallen (aktive Fallen). Die Hyphe bildet eine Schlinge aus. Sollte ein Nematod da "hineinschnuppern", so nimmt die Hyphe schnell Wasser auf, der Ring zieht sich zu und die Nematode ist gefangen. Wieder wächst der Pilz in die Nematode hinein und verdaut sie von innen - nicht gerade angenehm für das Würmchen. So weit ich weiß gibt es davon sogar Filme - man kann einige Nematodenfänger leicht auf Agar züchten und dann die Nematoden dazugeben. Fotios gibt es viele, auch REMs, in der Zeitung Mikrokosmos war es mal vor vielen Jahren ein Anschauungsexperiment.
Über Nematoden-Pilzinteraktionen ist also schon viel bekannt.
Im Prinzip kann man aber wohl auch manche Cordyceps-Arten als Tierfresser bezeichnen. Sie befallen lebende Insekten, wachsen, soweit ich weiß, durch die Stigmen in die racheen und somit durch den ganzen Körper des Opfers. Dann dringen sie durch die Tracheenwände in das Tier ein und töten es ab. Es gibt tropische Arten, die es schaffen, die Tiere dann zu töten, wenn sie an erhöhten Stellen (Blättern, Baumrinde etc) sitzen. Ich hab' in Kolumbien einen Schmetterling fotografiert, der von einer (Cordyceps?)-Nebenfruchtform befallen war. Dieser saß auch am Baum und war zusätzlich mit Hafthyphen an der Rinde befestigt. Ähnlich wie beim Fliegenschimmel (ein Zygo), nur viel größer (und mit schönen "Fruchtkörpern" - nur halt imperfekt.
In Canada wird (oder wurde) versuchsweise mit Heuschrecken-fressenden Cordyceps-Arten experimentiert - als biologische Schädlingsbekämpfung. Der Begriff "Räuber" oder Carnivore erscheint vielleicht hier etwas weiter hergeholt als bei den nematophagen Pilzen, aber auch hier tötet der Pilz erst sein Opfer und verspeist es dann, nur halt von innen...
Das mit Laccaria ist mir aber auch neu.
Ciao, Christoph