SUBJECT>Anno 1917- Wirtschaftliche Ausnutzung von Pilzen! POSTER>Ralf EMAIL> DATE>1008397473 EMAILNOTICES>no IP_ADDRESS>h-dialin-514.addcom.de PREVIOUS> NEXT> 23273 IMAGE> LINKNAME> LINKURL>

Hallo Pilzfreunde,

Ihr erinnert Euch an das "Taschenbuch für deutsche Pilzsammler" von Professor Ernst Walther, Oberlehrer an der 2. höheren Mädchenschule und dem Lehrerinnnen-seminare zu Leipzig, erschienen anno 1917?

Bereits vor einiger Zeit hatte ich daraus das Kapitel X "Ein Wort über das Pilzesammeln in seiner Bedeutung für den innern Menschen" ins Forum gestellt.

Es ist bei Euch auf ein positives Echo gestossen. Daher habe ich nochmals die Tastatur betätig und stelle einen weiteren Abschnitt, nämich über die Verwendung von Pilzen, vor.

Er hat mich mich köstlich amüsiert. Allerdings: was aus heutiger Sicht vielleicht kurios anmutet, wird damals zur Zeit des 1. Weltkriegs ein Mittel zum Überleben gewesen sein, denn die Menschen haben gehungert.

VII Weitere wirtschaftliche Ausnutzung der Pilze

Prof. Walther teilt die Pilze in drei Gruppen ein - Speisepilze - "Mittelgut", - minderwertige Pilze -und fährt dann fort:

"....Während man zu den letzten beiden Gruppen zum Zwecke menschlicher Ernährung im wesentlichen nur als Notbehelf zu greifen pflegt, können sie dagegen bei der Viehfütterung in sehr vorteilhafter Weise Verwendung finden.
So gibt. z.B. der Mordschwamm gekocht eine wertvolle Beigabe zum Schweinefutter.
Dasselbe gilt von einer ganzen Reihe anderer, dem menschlichen Gaumen nicht zusagender Pilze.

Des weiteren hat sich eine Verwendung der Pilze als Beigabe zum Weichfutter für Hühner als probat erwiesen. Es sei hierbei auf eine interessante und sehr
sehr beachtenswerte Mitteilung Bezug genommen, die im Jahrgang 1915, Heft 2 der "Frischhaltung" (Zeitschrift der Weck-Gesellschaft) unter der Überschrift "Billiges Hühnerfutter" erschienen ist. Die Einsenderin bringt darin zur allgemeinen Kenntnis, wie sie schon seit Jahren auf billige und rationelle Weise ihre Hühnerzucht betreibt, so daß die Eiererzeugung das ganze Jahr hindurch gute Erträge liefert. Sie schreibt: "Alle eßbaren Pilzarten, auch die von Maden zerfressenen, werden fleißig gesammelt. Sie kommen dan ungereinigt, die großen zerstückelt, in den warmen Backofen, wo sie gedörrt werden, bis sie ganz hart sind. Sackweise mahlt sie dann eine ländliche Mühle zu Mehl, und für das ganze Jahr habe ich in diesem Pilzmehl das ausgezeich-netste Hühnerfutter. Ich vermische es mit zerquetschten Kartoffeln oder mit angefeuchteter Kleie und Küchenabfällen."

Ferner ist foplgende Maßnahme in Gebrauch: Allerlei von Insektenlarven angegangenes Pilzmaterial wird auf einen Haufen geschichtet, bis es durchaus von Maden wimmelt. Dann wird es den Hühnern vorgeworfen, die mit großem Eifer bemüht sind, die fetten Maden herauszusuchen. Am häufigsten und stärksten von Maden befallen pflegen zu sein Perlpilz, Edelreizker, Täublinge, Rotfußröhrling, Kuhpilz.

Ein Bekannter des Verfassers wendet übrigens dieses Fütterungsverfahren in der Pilzzeit sogar seinem Rotkehlchen mit gutem Erfolge an.

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß Pilze jeder Art, selbst die giftigsten nicht ausgeschossenen, mit Erde vermischt schon nach 5-6 Wochen vollständig verfault sind und dann einen Dünger ergeben, der infolge seines Gehaltes an Phosphorsäure und Kali einen nicht zu unterschätzenden Nutzwert hat. (Freilich dürfte hierbei doch zu erwägen sein, ob nicht bei einer für diesen Zweck ausgiebig betriebenen Sammlung der Pilze mit der Zeit eine allgemeine Verarmung des Waldes eintreten müßte infolge einer Verminderung der Sporenerzeigung und Sporenverbreitung.)"

Soweit Prof. Walther zur wirtschaftlichen Ausnutzung von Pilzen anno 1917.

Mich würde es sehr interessieren, ob Ihr aus alter Zeit ähnliches oder etwas anderes über die Verwendung der Pilze kennt. Bitte berichtet doch einmal!

Dank und Gruss

Ralf