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Fuchsbandwurm durch Waldbeeren
Eine unbewiesene Spekulation!

MT-Bericht
MÜNCHEN - Wenn Sie mal wieder ein Patient fragt, ob ihm beim Waldbeeren- Essen der Fuchsbandwurm droht, zitieren Sie Prof. Nothdurft: "Es ist wahrscheinlicher, dass Ihnen ein Ziegelstein auf den Kopf fällt, als dass Sie durch den Verzehr von Waldbeeren eine Echinokokkose bekommen."

Die Fuchspopulation ist in den letzten zehn Jahren zwar um fast das Fünffache gestiegen. Und bis zu 70 % der Tiere sind mit dem Fuchsbandwurm durchseucht. Trotzdem erkranken in Deutschland gleichbleibend nur 50 bis 100 Menschen pro Jahr, erklärte Professor Dr. Hans-Dieter Nothdurft von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Universität München im Gespräch mit Medical Tribune. Der Grund dafür dürfte die wenig effiziente Übertragungsweise sein.

In der Landwirtschaft tätige Personen haben erwiesenermaßen ein etwa zehnfach höheres Risiko, an Echinokokkose zu erkranken als Normalpersonen. Man erklärt sich das zum einen damit, dass es wahrscheinlich doch mehr infizierte Haustiere (Katzen, Hunde) gibt, als bisher angenommen. Und die findet man schließlich auf fast jedem Bauernhof. Zum anderen nimmt man an, dass sich die Landwirte auch durch die Inhalation von Staub aus getrocknetem Fuchskot infizieren. Das scheint eine weitaus größere Rolle zu spielen als die Waldbeeren.

Die Waldbeeren-Hypothese ist nach wie vor eine unbewiesene Spekulation, so Prof. Nothdurft. Irgendwie musste man ja begründen, wie die Fuchsbandwurmeier in den Menschen gelangen. Untersuchungen dazu gibt es aber nicht. Wer absolut kein Risiko eingehen will, der kann die Beeren ja gründlich waschen, Marmelade aus den Früchten kochen oder sie drei Tage lang einfrieren, so der Rat des Experten.

VS
MTD 32 / 2001 S. 14