SUBJECT>Es stinkt zum Himmel POSTER>Thomas Pruß EMAIL>pruss@angelwoche.de DATE>1053002873 IP_ADDRESS>www.angelwoche.de PASSWORD>aanI00/59wAlQ PREVIOUS>37132 NEXT> IMAGE> LINKNAME> LINKURL>
Moin Joachim,
deine Beobachtungen kann ich nur bestätigen. Zwar nicht im Odenwald, aber in Nordfriesland. Ich kann den abnehmenden Trend seit 1996 feststellen (seitdem wohne ich dort), aber wen ich auch frage, immer lautet die Antwort, dass es früher auf den Koppeln (so nennt man hier die Weiden) wesentlich mehr Champignons gab als heute.
Auch ich führe das Verschwinden der Champis auf den intensiven Einsatz von Gülle und anderem Dünger zurück. Tatsache ist, dass die Bauern ab März die Gülle ausfahren dürfen (müssen), und dann ist die Vegetation noch längst nicht so weit, diese massive Nährstoffgabe in Biomasse umzusetzen.
Die Champignons werden einfach totgegüllt!
Ob diese Theorie richtig ist, lässt sich nur indirekt bestätigen, da man das Mycel ja nicht einfach so ausgraben kann. Die indirekte Beobachtung zielt darauf ab, dass man z. B. auf den Deichen von Eider und Treene periodisch noch ganz gute Champignon-Populationen finden kann. Die Deiche und das Vorland dürfen nämlich nicht gegüllt werden. Auch auf den Nordseedeichen kann man noch Chmapignons finden, denn auch dort darf nicht gegüllt werden. Außerdem weiden dort nur Schafe (Rinder würden die Deiche zerstören). Auf dem Eiderdeich habe ich auch den Papageiengrünen Saftling gefunden, der tatsächlich an nährstoffarmen Stellen wächst.
Zudem gibt es Koppeln, auf denen der Bauer Mist ausstreut. Auch hier findet man noch Champignons. Der strohgebundene Mist gibt die Närstoffe langsamer frei als Gülle, so dass sich die Mikroflora im Boden darauf einstellen kann.
Was den Campignons auch zu schaffen machen dürfte, ist die sehr frühe Mahd: Zur Silageherstellung wird das Gras nämlich schon gemäht, wenn es noch keine 10 cm hoch ist. Häufiges Befahren der Koppeln mit Traktoren, die knapp 300 PS haben führt zur Bodenverdichtung und damit zur Vernichtung der Mycelien.
Was ich auch beobachten kann, ist die periodische Zunahme der Riesenboviste auf den Koppeln, die gegüllt werden. Einen Massenfund machte ich vor ca. 3 Jahren: Auf einer feuchten, nicht gemähten, weil eingesunkenen Stelle auf einer Koppel fanden sich dicht nebeneinander 25 Riesenboviste bis Fußballgröße.
Offensichtlich macht den Riesenbovisten die starke Düngung wenig aus, bzw. sie profitieren sogar davon.
Grüsslis
Thomas