SUBJECT>Re: Coprinus atramentarius oder romagnesianus? POSTER>Tommy EMAIL>bar-tom@a1.net DATE>1114252030 IP_ADDRESS>84.20.181.113 PASSWORD>aaRZq.wDEwatM PREVIOUS>78393 NEXT> IMAGE> LINKNAME> LINKURL>
: Hallo,
: schon irgendwie seltsam. Genau um diese Zeit letztes Jahr habe ich eine
: Tintlingskollektion hier vorgestellt, verbundden mit der Frage, ob das C.
: romagnesianus sein könne. Hier nochmal die beiden Bilder zur Erinnerung:
:
: Die Meinungen damals waren etwas gespalten, merheitlich aber FÜR
: romagnesianus. Andreas Vesper hat mir allerdings damals ein Bild von einer
: eigenen romagnesianus-Aufsammlung geschickt und da waren die bruanen
: Schuppen eben viel deutlich ausgeprägt, richtiggehend abstehend. Diese
: "echten" romagnesianus halte ich kaum für nur eine Varietät von
: atramentarius, geschweigen denn für synonym. Dagegen tendiere ich
: mittlerweile eher dazu, dass diese leicht ockerlich angedrückt-schuppigen
: Kollektionen in die Variationsbreite von C. atramentarius fallen,
: vielleicht eine Varietät bestenfalls falls sich dieses Merkmal noch mit
: der frühen Erscheinung verbinden ließe, und dass sie keineswegs mit C.
: romagnesianus identisch sind.
: Ich denke, hier wären auch DNA-Untersuchungen hilfreich.
: beste Grüße,
: Andreas
Hallo Andreas,
Bin auf die Fortführung dieses Threads leider jetzt erst aufmerksam geworden und hoffe Du nimmst Deinerseits Notiz von meinem verspäteten Kommentar!
Habe soeben einen vertieften Blick in die Literatur zu C. atramentarius/romagnesianus geworfen und bin an Hand der mir zur Verfügung stehenden Referenzabbildungen und Beschreibungen zu folgendem Schluß gelangt:
Die Amplitude von Ausprägung, Farbe und Anordnung der Hutschuppung innerhalb der Variationsbreite von C. atramentarius gestattet alleine keine ausreichende makroskopische Abgrenzung gegen C. romagnesianus.
Der Originalbeschreibung des ursprünglichen Taxonnamens, C. atramentarius var. squamosus (Bresadola) zufolge, dürfte das einzig verlässliche makroskopische Unterscheidungskriterium die gleichfalls braune Schuppung des Stieles unterhalb des Velumringes sein.
Zitat : ...stipes infra annulum fuscidulo-umbrinus et squamulis fuscis praeditus, supra albus, sericeo-striatus.
Oberhalb des Ringes sei der Stiel weiß und seidig gestreift.
Da nur wenige Abbildungen den Stiel überhaupt entsprechend zeigen, werden dieser deutlichen Zweiteilung des Stieles nur wenige Abbildungen gerecht (gut zu sehen z.B. in Moser-Jülich und Courtecuisse & Duhem, mit viel Fantasie gerade noch in Cetto). Die Abb. in Bresadola's Tafel (Iconographia Mycologica) ist in Farbe und Ausprägung der Schuppung wohl etwas überzogen.
Der Stiel des einzigen Exemplars in der hier geposteten Abbildung, das den Stiel begutachten lässt, zeigt ganz eindeutig keinerlei Schuppung und auch keine Unterteilung des Stiels in zwei morphologisch unterschiedliche Teile, er ist weitgehend homogen strukturiert und gefärbt, - bis auf ein kleines Detail, das m. E. nahezu typisch für C. atramentarius ist :
Eine an Schneckenfraß erinnernde Demarkation ganz unten, unmittelbar über der Stielbasis (wie stets vortrefflich abgebildet in Lange's Flora Agaricina Danica).
Dieses Merkmal lassen die Abbildungen von C. romagnesianus durchwegs vermissen,
fiel mir jetzt auf.
Ich neige somit zur Ansicht, dass es sich bei der hier abgebildeten Art entweder um C. atramentarius s.l. oder eine nahestehende Art handelt.
Und da die Beurteilung des Stieles der hier ursprünglich diskutierten Art nicht möglich ist, erschöpft sich mein zuvor geäusserter Verdacht in Mutmassung. Ohne die Stielmerkmale sehen zu können, ist hier keine verbindliche Aussage möglich.
LG, Tommy