SUBJECT>Fayodia & Lactarius auf Sand POSTER>Hans-Jürgen EMAIL>hans-juergen@pilzseite.de DATE>1163508922 EMAILNOTICES>no IP_ADDRESS>p5081D2D9.dip.t-dialin.net PASSWORD>aa.8cvHu4xnyc PREVIOUS> NEXT> 110835 110839 110908 110917 IMAGE> LINKNAME> LINKURL>
Hallo Forum,
nachdem sich niemand getraut hat, auf meine an Rudis Sandschwammerl angehängte Fragen zu antworten, muss ich wohl selber nochmal in die Bütt und das Rätsel lösen - mit der Bitte um Widerspruch und Belehrung, wie immer.
Ich blende zur leichteren Erinnerung die Standortfotos nochmal ein.
Casus 1: Fayodia bisphaerigera Abgeflachter Rußhelmling
Beschreibung:
Fund: Astheimer Sande, 10.11.2006, im Moos, bei Ginsterbüschen; weiter entfernt (> 10m): Kiefern, Eichen
Hut: DM 15 - 20 mm, abgeflacht, leicht bis deutlich trichterförmig eingesenkt; karamelbräunlich, zum Rand hin verblassend; glatt, weich; hygrophan? Rand etwa bis zur Hälfte durchscheinend gerieft.
Fleisch: sehr dünn, fast nur häutig (ähnlich Breitblatt). Geruch intensiv nach Mehl
Stiel: 30 x 2 - 3 mm, zylindrisch; feinst längsfaserig, gleichmäßig hellocker mit einem rosa Beiton
Lamellen: hellcreme, etwas entfernt stehend, untermischt; mit einzelnen Querrippen; Lamellenschneide fein bewimpert (siehe das folgende Foto)
Die Mikroskopie hätte das Thema schnell klären müssen, wenn ich nicht endlos im Zweifel gewesen wäre, ob die wenigen (zwei Dutzend) Sporen, die ich gefunden habe, tatsächlich zu den Pilzen gehörten. Weil: So riesige runde stachelig-netzige Sporen gab es bei all den Gattungen nicht, die mir so auf Anhieb eingefallen sind (von Galerina bis hin zu Pseudomycena). Meine Zweifel sind aber zunehmend geschwunden. So sehen die Sporen in Melzer aus:
Also mehr oder weniger rundlich, sehr groß (mit Durchmessern von 8 bis 10,5 µm), allerdings ist die Außenhülle nicht glatt (wie bei Ludwig 24.1).
Basidien mit zwei Sterigmen in Baumwollblau:
Nun: Was meinen die Spezialisten?
Casus 2: Lactarius sphagneti Torfmoosmilchling
von oben ...
... und von unten
Beschreibung:
Fund: Astheimer Sande, 10.11.2006, im Moos unter einer Kiefer
Hut: oval, DM 28-32 mm, mittig trichterig eingesenkt, glatt, "fettig" (nicht schmierig), hygrophan?, Rotbraun mit Orangeton, zum Rand hin heller werdend; Rand scharf, Huthaut die Lamellen leicht überragend. Huthaut (oder die äußere, wohl gelatinöse Schicht) mit 1mm sehr dick.
Fleisch: ca. 1 mm, hellocker; kein auffälliger Geruch [ich knabbere nur ungern an Pilzen, was ich gelegentlich, z.B. hier, bereue]
Stiel: 55 x 4 - 10 mm, flach gedrückt, hohl. Wohl an der Stelle, an der er aus dem Sand ragte, mit einer markanten Gürtellinie, darüber hellbraun, darunter ausgeblasst fleischfarben. Nicht faserig. Basis abgerundet.
Lamellen: hellocker, dicht, untermischt, am Stiel herablaufend. Schneide scharf und glatt.
Da lag zunächst L. rufus nahe, den L. Krieglsteiner auf den Astheimer Sanden nachgewiesen hat (S.661).
Aber dazu passten weder die Sporenmaße (7,0 -) 7,4 (- 8,0) x (5,6 -) 5,9 (- 6,6) ...
... noch die Sporenornamentierung, die anders als bei L. rufus nicht strichförmig, sondern netzig aussieht:
Außerdem zeigten sich schwankende Flaschengestalten als Cheilozystiden:
Das hat mir Mut gemacht, den Torfmoosmilchling als Sieger auszurufen (den L. Krieglsteiner nicht nur in den Astheimer Sanden, sondern überhaupt nicht nachgewiesen hat).
Widerspruch?
Gruß
Hans-Jürgen