SUBJECT>Re: Nachfrage POSTER>Werner EMAIL>wgpflaum@t-online.de DATE>1164143439 IP_ADDRESS>p5496F3A0.dip.t-dialin.net PASSWORD>aa2wKqpgXsn1M PREVIOUS>111213 NEXT> IMAGE> LINKNAME> LINKURL>
Hallo Heinz,
: Unsauberer Journalismus sollte nach meiner Meinung strafbar sein.
Da gebe ich Dir uneingeschränkt recht.
: Das bezieht sich nicht nur auf Pilze und Pilzkunde! Darf ich dazu ein Buch
: empfehlen? HEINRICH BÖLL (1974), Die verlorene Ehre der Katharina Blum.
: Aber auch die Bücher von GÜNTER WALLRAFF sind sehr aufschlussreich. Bei
: Böll werden die Folgen eines unsauberen Journalismus fiktiv und bei
: Wallraff real dargestellt.
Diesen Empfehlungen kann ich mich auch nur anschließen.
: Was den hier behandelten Artikel betrifft, treffen mehrere dieser Punkte zu:
: a) eine "Null-Info", weil Tatsachen (Pilzrückgang, Springkraut
: usw.) nicht vollständig und ohne, oder mit falschem Zusammenhang
: wiedergegeben werden,
: b) Hans Bender wird genannt, aber ohne seine - sicher ausführlichere
: Erklärung zur Verbreitung von Pilzen - genauso ausführlich darzustellen,
: sondern es wird nur ein Fetzen davon erwähnt (alles von Holland herüber,
: was ein Quatsch),
: c) persönliche Erlebnisse eines Nicht-Pilzkenners bilden den Hauptbestandteil
: dieses Artikels.
Es mag ja sein, daß ich von der Presse schon viel abgebrühter bin. Trotzdem muß ich sagen, daß dies noch einer der "besseren" Pilzartikel ist. Wenn ich mir so ansehe, was dieses Jahr alles an hanebüchenen absoluten Fehlinfos verbreitet wurden, ist der schon fast wohltuend. Auch dürfte er unserer höchsteigenen Intention, nicht jeden Raffkus in den Wald zu schicken, viel besser entsprechen als die ganzen 20 kg-Steinpilze-gefunden-Artikel. Wie gesagt - ich fand den Artikel langweilig und auch nicht gut geschrieben, krasse Fehlinfos sind aber wenigstens nicht drin. Ich weiß schon, es ist natürlich wenig, mit dem man sich da zufriedengibt.
Ich würde mir auch mehr wünschen.
Meine eigenen Erfahrungen mit der Presse waren aber deutlich schlechter. Ich habe einmal den Fehler gemacht, einem Reporter, der mich in einer ganz anderen Sache (keine Pilze) angerufen hat, ein Interview von ca. 40 min am Telefon zu geben. Der Volltrottel hat sich eine reißerische Schlagzeile gemacht, einen Nebensatz unseres Gesprächs zum Artikel gemacht und das, was ich ihm in ungefähr 30 Minuten als zentralen Punkt klarzumachen versucht hatte, völlig aus dem Artikel draußengelassen. Ich forderte eine Richtigstellung der Zeitung - 3x dürft Ihr raten. Ich habe mir geschworen, in Zukunft nur noch schriftliche Stellungnahmen gegenüber der Presse abzugeben - dann kann ich diese grauenhaften Lügner wenigstens ggf. verklagen. Es handelte sich damals um ein Münchner Boulevardblatt.
Gruß,
Werner