SUBJECT>Re: Nachfrage POSTER>florian31 EMAIL>fgoerner@gmx.de DATE>1164189354 IP_ADDRESS>cable-81-173-132-161.netcologne.de PASSWORD>aaGv2oTf2Bq2M PREVIOUS>111213 NEXT> IMAGE> LINKNAME> LINKURL>

: Nun, das schlimme ist nicht nur eine "Null-Info" (die ist immer
: einen Tag später schon vergessen)

ja gut, die sind wirklich überflüssig, aber ja noch nicht schädlich. manchmal können sie ja unterhaltsam sein, wenn sie gut beschrieben sind - aber dann dürfen sie nicht vorgeben, informationen vermitteln zu wollen. wie es ja hier geschieht.

, sondern auch "Falsch-Infos"
: (auf die sich oft sogar berufen wird),

als solche würde ich dann das mit dem indischen kraut bezeichnen. es ist zwar auch eine nullinfo, weil's quatsch ist, bzw eben der richtige kontext fehlt, aber es ist in erster linie eine falschinformation. wenn man ihr glauben würde, wäre man danach der meinung, das indische kraut überwuchert unsere kompletten wälder...

: falschen Zitate von Fachleuten, die namentlich genannt werden und sich
: dafür in der Folge rechtfertigen müssen.

das ist natürlich wirklich unmöglich. da verzweifelt man sicher als falsch zitierter experte.

: Unsauberer Journalismus sollte nach meiner Meinung strafbar sein.

ja, das finde ich auch. allerdings nicht bei solchen themen. das thema "pilze" und "natur" IST wichtig, aber wenn man das unter strafe stellen würde, dann könnte wohl gar kein journalismus mehr stattfinden, weil vieles letztens endes auch auslegungssache ist (nicht in dem fall hier, da gebe ich dir recht) und man dann als journalist eigentlich gar nicht mehr schreiben könnte.

was vor allem dann schwierig würde, wenn man tatsächlich mal einen kritischen artikel über irgendwelche dinge schreiben will. denn dabei wird immer jemand kritisiert, und wäre "falsche darstellungsweise" zu schnell strafbar, dann würde sich JEDER darauf berufen, der in einem schlechten licht dargestellt wird. und das haben viele doch verdient.

: Das bezieht sich nicht nur auf Pilze und Pilzkunde! Darf ich dazu ein Buch
: empfehlen? HEINRICH BÖLL (1974), Die verlorene Ehre der Katharina Blum.

ja genau, das kenne ich natürlich. und da geht's vor allem um die herabsetzung der persönlichen ehre eines menschen. da sollte sich die justiz wirklich wege suchen, das konsequent bestrafen zu können.

: Aber auch die Bücher von GÜNTER WALLRAFF sind sehr aufschlussreich.

ja...das aus der bildredaktion habe ich nicht gelesen, aber ich weiß, worum's da geht.

: Böll werden die Folgen eines unsauberen Journalismus fiktiv und bei
: Wallraff real dargestellt. Nach dem Letztgenanntem wurde sogar eine neue
: deutsche Vokabel kreiert: "Wallraffen".

kenn ich gar nicht - werd ich mir merken.

: Was den hier behandelten Artikel betrifft, treffen mehrere dieser Punkte zu:
: a) eine "Null-Info", weil Tatsachen (Pilzrückgang, Springkraut
: usw.) nicht vollständig und ohne, oder mit falschem Zusammenhang
: wiedergegeben werden

ja...würd ich schon als falschinfo bezeichnen!

: b) Hans Bender wird genannt, aber ohne seine - sicher ausführlichere
: Erklärung zur Verbreitung von Pilzen - genauso ausführlich darzustellen,
: sondern es wird nur ein Fetzen davon erwähnt (alles von Holland herüber,
: was ein Quatsch),

ja, ist nur wegen des effekts geschrieben, weil es sich gut anhört. das geht tatsächlich so nicht.

: c) persönliche Erlebnisse eines Nicht-Pilzkenners bilden den Hauptbestandteil
: dieses Artikels.

das wiederum finde ich nicht schlimm, ist ja eine frage, welchen stil der schreiber wählt. allerdings ist es hier ein seltsamer mix aus persönlicher beschreibung und dann doch ncoh schnell ein paar experten ranklatschen.

: Ich bin zwar kein Deutschlehrer, aber dieser Verfasser hat - wenn ich ihn
: denn benoten sollte - bestenfalls und mit viel Wohlwollen (!) - eine
: fünf-minus verdient.

wäre das mit dem indischen kraut und dem holländischen wind nicht, fände ich ihn gar nicht so schlecht. aber so ist er wirklich nicht glänzend, geb ich dir recht.

: In diesem Sinne wünsche ich mir eine optimale Kritikfreudigkeit von allen
: gegenüber Zeitungsartikeln. Ich wünsche mir aber auch auch viel mehr
: saubere Recherchen (und Korrekturbereitschaft) bei Journalisten, die über
: Pilze schreiben.

gerade bei einem thema wie pilze kann man die betreffenden stellen gut gegenlesen lassen, wenn man nicht mehr sicher ist, ob man's richtig verstanden hat. ist ja interessant, was ihr schon alles für schlechte erfahrungen gemacht habt...

: Dieses Statement war mir jetzt und an dieser Stelle ein Bedürfnis, möchte
: aber betonen, dass nicht alle Presseleute "schlecht" sind, ich
: hatte negative und positive Erlebnisse. An letztere erinnere ich mich am
: liebsten.

ok. fühlte mich nur fast ein bisschen persönlich angesprochen, weil ich auch dazu gehöre, aber hoffe doch dann, zu letzteren :)

viele grüße, Florian