SUBJECT>Re: Aussprache von Pilznamen POSTER>pilzmann EMAIL>peter-pilzmann@web.de DATE>1263267007 IP_ADDRESS>ip-94-79-136-13.unitymediagroup.de PASSWORD>aapbO9F/vlWwo PREVIOUS>178199 NEXT> IMAGE> LINKNAME> LINKURL>
Hallo Martin und alle anderen, die vielleicht immer noch dieses zugegebenermaßen schwierige Thema weiterverfolgen!
Sicher ist es nicht einfach, sich die richtige Betonung der botanischen Namen zu einem hohen Treffersatz zu erarbeiten. Und was bringt es?
Vom Hobby sprachlicher Genauigkeit einmal abgesehen möchte ich Sprache verstehen können. Und wenn Nordamerikaner sich Aussprachen zurecht machen, die kaum jemand mehr versteht, drängt es mich doch sehr zu den Wurzeln, den weltweit etablierten "roots". Waren nicht die selbsternannten Amerikaner die Erfinder des Slogans: "Back to the roots!" ? Warum sollen die Amis sich nicht mal ein bisschen ausrichten, statt dass wir uns das Maul verbiegen, gar eine Extraportion Kaugummi anschaffen müssen? Wie die "alten" Römer gesprochen haben wissen wir; bis auf ihre Aussprache des "c": Kaesar oder Zaesar, Kikero oder Zizero? Neu-lateinisch ist das heute eigentlich geregelt. Nach "a", "o" und "u" bevorzugen wir, angelehnt an neuere romanische Sprachen, den K-Laut ansonsten das "z". Wenn Anglophile Schwierigkeiten mit den Umlauten haben, lautet die Parole: "Ieben, ieben und immer wieder üben, statt "uben"!
Natürlich ist es dem / der Einzelnen überlassen, wie weit er sich in die Aussprache-Regeln vertieft. Die sind ja fast so anstrengend, wie eine neue Sprache zu erlernen. Ich halte es für ein hübsches Zusatz-Hobby und versuche deshalb, darin immer besser zu werden.
Einfachregeln, wie der grundsätzlichen Betonung auf der dritt- oder alternativ vorletzten Silbe helfen nicht wirklich, da sie unserem deutschen Sprachgefühl so oder so zum beachtlichen Teil widersprechen. Wettervorhérsage ist ja fast noch akzeptabel, aber Wettervorherságe? Eigentlich betonen wir die erste Silbe: Wéttervorhersage. Abgesehen davon hatten die "ollen Griechen" aber wohl auch die "alten Römer" noch eine andere Silbentrennung, als wir sie praktizieren (z. B.: A-ga-ri-ca-ce-ae, Gloi-o-ceph-ala?)
Auch wenn sich gerade die akademischen Mykologen sehr wenig mit dem Ausspracheproblem beschäftigen und sich auf Kongressen (notgedrungen?) an die nordamerikanische Aussprache anpasssen, sollten sie doch gelegentlich auf die taxonomischen Wurzeln ihres Metiers besinnen - und die sind nun mal neolatinisch. In vergangenen Tagen war der Nachweis eines Latinums hierzulande Vorbedingung für die Aufnahme des Studiums, nicht nur der Biologie!
Macht, was ihr wollt! Bolétus édulis, statt B. edúlis verstehe ich natürlich;
aber bei Inosaibi dschaiecoumi (Inocybe giacomi = Nördlicher Risspilz) wird' s leicht schwierig!
Mit Nachdenken erheischenden Grüßen, Peter!
: Hallo Peter und die anderen,
: das ganze ist doch sehr akademisch. Wie die "alten Römer"
: (aus-)sprachen weiß niemand wirklich, das ist alles nur Theorie. Das
: Latein der Wissenschaftsprache ist über das
: mittelalterliche/renaissance/humanistische Latein auf uns gekommen. So
: kommt es auch, daß wir viele epitheta nicht in einem normalen
: Lateinlexikon wiederfinden (ich habe es auch schon oft vergeblich im Du
: Fresne versucht).
: Deswegen fände ich es geradezu sinnvoll, sich auf eine vereinfachende Regel
: wie drittletzte Silbe (wenn vorhanden, sonst vorletzte) zu einigen.
: Anhören, wie "bei den alten Römern" wird es sich eh nicht.
: Wer will denn neben dem ganzen "Bestimmungsstress" ;-) auch noch in
: die Etymologie der lateinischen Wörter (kommt es aus dem Griechischen oder
: nicht, und wenn ja, ist dort der Vokal lang oder kurz?) einsteigen?
: Ich habe selber Latinum und Graecum, bin Altertumswissenschaftler und finde
: das hier einfach übertrieben, weil nicht produktiv, was die Pilze angeht.
: Salvete!
: Martin