SUBJECT>Re: Re und Kontra POSTER>Saftling EMAIL>dieter.doczkal@googlemail.com DATE>1287529066 IP_ADDRESS>p4FEB4820.dip.t-dialin.net PASSWORD>aaDLdDCkfWtzI PREVIOUS>196839 NEXT> IMAGE> LINKNAME> LINKURL>

Hallo Ingo,

: naja! Das hört sich ja an, als wolltest du den Teufel mit dem Beelzebub
: austreiben.

Meine Sympathie für ein Sammelverbot bezieht sich auf das Restvorkommen in Baden-Württemberg ("meine" Stelle wird voraussichtlich bald als NSG ausgewiesen werden - was Pilzsammler natürlich nicht vom Freveln abhält...). In Brandenburg wäre es vermutlich unsinnig.

: Das wäre ja in etwa so, als wolle man alle Süßgewässer im Lande
: trocken legen, um im Anschluß die Karpfen auf die Rote Liste zu setzen.

Zwar verstehe ich nicht, was Du damit sagen willst. Dennoch: Das entscheidende Kriterium zur Aufnahme von Arten in "Rote Listen" ist ein bedeutender Bestandsrückgang. Würde man also alle Fischteiche trocken legen und der Karpfen dadurch verschwinden, müsste er auch auf die Rote Liste. So ist das nun mal... Die meisten Bestandsveränderungen haben direkte oder indirekte anthropogene Ursachen. Wer Billigfleisch im Discounter kauft fördert damit die Intensivlandwirtschaft, die z.B. die Saftlingswiesen weitgehend vernichtet hat.

: Arten aus den Flechten-Kiefern-Biotopen gehören meiner Meinung nach auch
: genau dorthin.

Genau.

: Rein vom Verständnis her gehört Tricholoma equestre sowieso nicht auf
: irgendwelche Rote Listen, da er ja, bis auf Weiteres, eine lebensgefährlich
: giftige Art darstellt.

Giftigkeit ist kein Ausschlusskriterium für die Rote Liste.

: Großes Thema sollte daher eher der Schutz der entsprechenden Biotope sein.

Ja, Artenschutz, ob für Pilze, Pflanzen oder Tiere, funktioniert fast immer nur über die Erhaltung der Lebensräume.

: Momentan gibt es sogar Bestrebungen, das Kieferneinerlei durch Mischwälder
: abzulösen. Die Kiefern-Monotonie birgt nämlich auch Risiken. Die der erhöhten
: Waldbrandanfälligkeit wegen mangelnder Fähigkeit, Wasser im Boden zu halten
: zum
: Beispiel.
: Gerade Ostbranbdenburg droht in den kommenden Jahren, wegen etwas
: kontinentalerer Lage, eine bedeutendes Versteppungsrisiko. Darüber können
: auch die Rekordniederschläge der vergangenen Monate nicht hinweg täuschen.

: Die Pilze werden davon nicht untergehen. Mit anderen Bäumen kommen dann
: andere
: Pilzarten zutage. Gerade an den sich ausbreitenden Espen kann man das gut
: erkennen.
: So konnte ich in meinem kleinen Espenhain, in welchem ich in den
: vergangenen Jahren immer nur einen Pappelgrünling begrüßt hatte, vergangenes
: Wochenende erstmals vier Fruchtkörper zählen. Inmitten von Natternstieligen
: Schleimfüßen.

Der Umbau artenarmer Kiefernforste in Mischwälder ist wohl eine prinzipiell gute Idee. Allerdings kann man es auch übertreiben. Die naturschutzfachlich hochwertigen Flechten-Kiefernwälder sollten davon unberührt bleiben. Was genau da in Brandenburg geplant ist weiß ich nicht. Leider zählt der Flechten-Kiefernwald nicht zu den besonders geschützten Lebensräumen gemäß FFH-Richtlinie. Damit droht er im amtlichen Naturschutz nicht gebührend berücksichtigt zu werden.
Die mit dem Umbau verbundenen Änderungen in der Funga werden Dich freuen. Möglicherweise werden aber einige regionale Besonderheiten durch triviale Arten ersetzt. So funktioniert großräumige Artenverarmung...

: Viellelicht nochmal zusammengefasst: Grünlinge gibt es wohl schon sehr lange, und es wird sie auch weiterhin geben.
: Ob wir es wollen, oder nicht. ;-))

Sicher. Ich wollte mit meinen Einlassungen nur sagen, dass der für Dich gewöhnliche Grünling eben in weiten Teilen seines mitteleuropäischen Verbreitungsgebiets bereits verschwunden bzw. sehr rar geworden ist.

Viele Grüße
Dieter